Pfarrei St. Johann Osnabrück

Pfarrei St. Johann Osnabrück

1000 Jahre St. Johann

Vortragsreihe 1000 Jahre St. Johann und die Osnabrücker Neustadt

Danke für die großartige Beteiligung bei unserer Vortragsreihe im Jubiläumsjahr. Das zeigt: Die Geschichte ist stark und kann viele Impulse für Gegenwart und Zukunft vermitteln. Wir haben uns deshalb trotz finanziell angespannter Lage dazu entschlossen, einen Großteil der die Vorträge als Festschrift zum Jubiläumsjahr zu veröffentlichen. Das Buch wird wurde rechtzeitig zur Festwoche fertiggestellt und ist zum Preis von 19.50 € im Fachbuchhandel und auch im Pfarrbüro zu erwerben. Danke für Ihre Unterstützung!


Diese Vorträge haben stattgefunden

15. 9. 2010
Prof. Dr. Thomas Vogtherr
Fundata est insignis ecclesia sancti Johannis. Bischof Thietmar und die Gründung des Stifts St. Johann

Der Osnabrücker Bischof Thietmar (1003-1023) gilt als Gründer des Dom-Nebenstifts St. Johann in der Neustadt. Nur wenig ist über diesen Bischof und sein Wirken auszumachen. Sein Gründungsakt ist überhaupt nur in Umrissen bekannt, und fast könnte es scheinen, als verschwinde der Bischof und mit ihm die frühe Geschichte des Stifts im undurchdringlichen Nebel. Fehlende Quellen – nicht einmal eine Gründungsurkunde des Stifts ist überliefert – lassen das Bemühen des Historikers von vornherein zum Scheitern verurteilt sein, die frühen Jahre der Stiftsgeschichte zu erhellen. Deswegen wird der Vortrag sich nicht nur auf Osnabrück, seinen Bischof und das Stift St. Johann beschränken können, sondern wird auf dem Wege des Analogieschlusses Beispiele aus anderen, überwiegend westfälischen Bistümern und Bischofsstädten dazu benutzen, zu klären und zu erklären, was Bischof Thietmars Absichten gewesen sein könnten, welche Mittel er einsetzte, um das Stift zu gründen und auszustatten, was die Stiftsgründung für den Bischofssitz und das Bistum bedeutete und wie sich das Stift in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens entwickelt hat. Was Thietmar tat und die Art und Weise, in der es bewirkte, werden sich als ausgesprochen typisch für die Strukturen der spätottonischen Kirche des Römisch-Deutschen Reiches erweisen.

06.10.2010
Dr. Karsten Igel
Die neue Stadt Osnabrück - St. Johann als Zentrum der mittelalterlichen Neustadt

Um 1240 – mehr als zwei Jahrhunderte nach der Stiftsgründung – wurde St. Johann zum Zentrum der Neustadt Osnabrück. Das zuvor außerhalb der (Alt-)Stadt gelegene Johannisstift befand sich nun nicht nur räumlich in der Mitte der neuen, planmäßig angelegten Stadt, sondern bildete zugleich auch das geistliche Zentrum der bis 1808 weitgehend selbständigen Neustadt. Entsprechend eng verknüpft waren Stadt und Stift in ihrer weiteren Entwicklung. Dies führte zu Konflikten, aber auch zur Zusammenarbeit beider Seiten

27. 10. 2010
Prof. Dr. Klaus Niehr
„… sambt den dabey befundenen erhoben und geschlagenen Bilderen.“ Überlegungen zur Osnabrücker Goldschmiedekunst im hohen und späten Mittelalter

Obwohl zahlreiche Objekte aus edlen Metallen, wie Reliquiare, Kreuze, Kelche, bekannt und erhalten sind, fehlt es bis heute an einem fundierten Überblick zur mittelalterlichen Goldschmiedekunst in Osnabrück. Ein solcher Überblick hat nicht nur die Kunstwerke zu berücksichtigen, sondern darüber hinaus auch die Schriftquellen einzubeziehen: Welche Goldschmiede lassen sich nachweisen? Wann haben sie gelebt, wo haben sie gearbeitet? Welchen Stellenwert nehmen sie in der städtischen Gesellschaft ein? Ergänzende Informationen verspricht der Blick auf die Objekte: Lassen sich Traditionen ausmachen, die über längere Zeiträume hinweg wirksam sind? Und gibt es so etwas wie Spezialitäten der Osnabrücker Goldschmiedekunst? Mit Hilfe dieser Leitfragen soll versucht werden, eine Realität zu rekonstruieren, die über weite Strecken noch der Erforschung harrt.

10.11.2010
Dr. Reinhard Karrenbrock
Der Chor der Stiftskirche und seine reiche Zier. Überlegungen zur mittelalterlichen Ausstattung - in chronologischer Folge

Die Stiftskirche St. Johann in Osnabrück wurde im hohen und späten Mittelalter reich ausgestattet, wie sich noch heute an der erhaltenen künstlerischen Überlieferung der Kirche zeigt. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Ausgestaltung des Hochchores gelegt, der den Stiftsherren vorbehalten war und der als das Zentrum der Stiftskirche angesehen werden kann. Die Ausstattung des Chores wurde deshalb immer wieder verändert und erweitert, um so den sich wandelnden liturgischen Bedürfnissen Rechnung zu tragen, zugleich aber auch dem Repräsentationswillen der Stiftsherren zu entsprechen. Die zentralen Werke des Chores – der Levitenstuhl (um 1320), das Chorgestühl, die Apostel-Skulpturen, der Lettner, das Sakramentshaus und das spätgotische Hochaltarretabel (dat. 1512) – werden deshalb in der Abfolge ihrer Entstehung vorgestellt, um so die Entwicklung dieses bedeutenden Ensembles nachzuzeichnen.

01.12.2010
Jutta Gladen – Sabine Heitmeyer-Löns
Verborgene Schätze: Die Reliquien in St. Johann

1970 entdeckte der Küster Eichholz im steinernen Altartisch des Hochaltars einen Hohlraum, angefüllt mit Reliquien, teils frei umherliegend, teils in Gefäßen aus Ton, Glas und Zinn. Eine erste Untersuchung dieses Schatzes zeigte, dass es sich hier um einen Fund handelt, der in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann: er eröffnet einen Blick in Frömmigkeitsgeschichte und ihre Veränderungen über einen Zeitraum von fast 1000 Jahren. Zudem wird die Bedeutung der Reliquien auch durch die Art untermauert, wie sie verwahrt bzw. präsentiert werden. Neben den kunstvoll gefertigten Reliquiaren aus wertvollen Materialen sind es die Textilien, die ebenso kostbar, aber im Verborgenen die Reliquien umhüllten. Heute ist in Vergessenheit geraten, dass Seidengewebe bis in die frühe Neuzeit hinein im Wert der Goldschmiede in nichts nachstanden, ihre hohe Wertschätzung hatte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Bestand.
Zum Jubiläum St. Johanns wird dieser Reliquienschatz erstmals inventarisiert und interdisziplinär ausgewertet.

15.12.2010
Dr. Eva Berger – Hanna Dornieden
In die Wüste gebaut – 1000 Jahre Stiftskirche St. Johann – Tradition und Innovation in der Architektur

Der ab 1256 errichtete heutige Bau der Osnabrücker Johanniskirche gilt als "einer der eigenständigsten frühgotischen Hallenbauten" (G. Dehio). Sowohl in Bautypus (Hallenkirche) als auch in Formensprache (gotisch) war er also nicht nur für Osnabrück eine Neuheit. Gleichzeitig lassen sich aber gerade bei einem vergleichenden Blick auf die drei anderen mittelalterlichen Kirchen Osnabrücks - Dom, St. Marien und St. Katharinen - die Schritte von der Romanik zur Gotik mustergültig ablesen. Das Kulturgeschichtliche Museum der Stadt Osnabrück zeigt in Kooperation mit der Universität vom 11. Mai bis 13. November 2011 eine museumspädagogische Ausstellung zum gleichen Thema. Der Vortrag stellt vorab die kunsthistorischen Ergebnisse zum Stil der oben genannten Kirchen vor und verweist auf architektonische Besonderheiten der Stiftskirche St. Johann.

12.01.2011
Bodo Zehm – Hauke Feegel
Vom Naturraum zur Stadt – Frühe Formen der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung im Bereich der Osnabrücker Neustadt

Teil 1: Rekonstruktion der Altlandschaft zur Zeit der Gründung von St. Johann
Teil 2: Archäologische Befunde zu den Anfängen der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung

Die Gründung von St. Johann fällt in eine Zeit, in der die Entwicklung der Osnabrücker Altstadt zu einer so genannten Frühstadt weitestgehend abgeschlossen ist. Insbesondere die Bestätigung des Markt-, Münz- und Zollrechts durch Heinrich II. im Jahre 1002 kann als besonderes Merkmal dieser Entwicklung zu einem überregionalen Herrschafts-, Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum gesehen werden.
Aber es ist noch die Zeit vor Errichtung der ersten Stadtmauer. Wie auch für die Zentren der Altstadt waren hinsichtlich einer Entscheidung über den zukünftigen Standort von St. Johann zunächst die natürlich vorgegebenen Rahmenbedingungen ausschlaggebend. Dennoch könnte es darüber hinaus weitere Standortfaktoren gegeben haben, die eine Gründung des Johannisstifts an der bekannten Stelle hervorgerufen haben.
In dem Vortrag soll ein anschauliches Bild von dieser räumlichen Infrastruktur vermittelt werden. Dabei kann auf eine Vielzahl an archäologisch und bodenwissenschaftlich erschlossenen Forschungsergebnissen zurückgegriffen werden. Einige sollen in diesem Vortrag erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

26.01.2011
Sara Snowadsky, M. A.
Das Stift St. Johann im 11. Jahrhundert. Archäologische Untersuchungen zum ersten Kirchbau Bischof Thietmars

Die Gründung des Stiftes St. Johann durch Bischof Thietmar im Jahr 1011 ist urkundlich überliefert. Informationen zum Aussehen der ersten Kirche und der Stiftsgebäude liefern die Schriftquellen jedoch nicht. Hier kann die Archäologie weiterhelfen. Bei Ausgrabungen innerhalb des heutigen Kirchenbaus entdeckten Archäologen in den 1970er und 1990iger Jahren Reste eines Vorgängerbaus.
Lassen sich Architektur und Aussehen der ersten Kirche und der Stiftsgebäude aus den Grabungsbefunden rekonstruieren? Wie fügen sie sich in Kirchbau und Architektur der Region im Hochmittelalter ein?

16.02.2011
Karsten Igelbrink – Christian Joppich
Wo die Worte nicht reichen – klingendes Gotteslob – Glocken und Orgeln in St. Johann

Seit Gründung des Stiftes St. Johann erklingt das Gotteslob nicht nur in Worten sondern auch in Musik. Vorgestellt wird sowohl das historische Ensemble der Glocken aus sieben Jahrhunderten als auch die Geschichte der verschiedenen Orgeln der Kirche mitsamt einer Bestandsaufnahme des gegenwärtig vorhandenen wertvollen historischen Pfeifenmaterials.

02.03.2011
Ansgar Stolte
Procedamus in pace – Ein liturgiegeschichtlicher Blick auf das Prozessionswesen in St. Johann

Es war nur natürlich, dass die früheste Jesusbewegung „der (neue) Weg“ (vgl. Apg 19,9.23) genannt wurde, denn die ganze hebräische Auffassung von der Beziehung mit Gott bedeutete ein „Wandeln mit Gott“. Daraus ergibt sich, dass diese anthropologische Grunddimension des Menschseins auch in der Liturgie und im gottesdienstlichen Leben eine rituelle Gestalt gewann – bevor in der Neuzeit die liturgischen Feiern immer mehr statisch wurden und die Mitfeiernden durch Kirchenbänke und Gestühl „domestiziert und sesshaft“ wurden.
Wir möchten einen liturgiegeschichtlichen Blick auf das Prozessionswesen in St. Johann werfen und den Fragen nachgehen, welche Wege als Ausdruck des gläubigen Menschseins gegangen wurden und welche Geisteshaltung dem jeweils zugrunde lag. Vielleicht lässt sich auch für die Feiern in unserer Zeit ein Visionsraum neu erschließen und fruchtbar machen.

23.03.2011
Dr. Wolfgang Seegrün
„Aus Liebe zur Seelenruhe in der Kirche“ Reformation und Resistenz im Stift St. Johann

„Aus Liebe zur Selenruhe in der Kirche“ („ecclesiasticae tranquillitatis amatores“) protestierte 1571 das Stift St. Johann gegen die Ernennung eines Vikars. Als (Mt. 8.23-27) Jesus den Sturm auf dem Meer gestillt hatte, trat eine große Stille (tranquillitas) ein. Dieses Bild wurde in der geistlichen Theologie gebraucht als Zielvorstellung der Rückkehr zur Ordnung und damit zur Ruhe. Wir erfassen hier ein Motiv für die Ablehnung der von Bischof Franz von Waldeck 1543 angeordneten Reformation. Das bedeutet noch keine konfessionelle Prägung, sondern zunächst ein Festhalten an der Form des „mittleren Weges“.

13.04.2011
Dr. Hermann Queckenstedt
"Doch vor allem schmückt und zieret dich dein Mäßigkeitsverein!" – Kaplan Johann Mathias Seling als Sozialreformer

Johann Mathias Seling entstammt einer Markkötter-Familie aus Wennigsen bei
Gesmold und studierte nach einer Kaufmannslehre in Münster Theologie. 1820
zum Priester geweiht, wurde er für sechs Jahre Lehrer am Carolinum, um
sodann bis zu seinem Tod 1860 als Kaplan in der Johannisgemeinde zu wirken.
Seling agitierte im Osnabrücker Land, in Südoldenburg, im Münsterland und
im Emsland gegen den Alkoholmissbrauch, den er als maßgeblichen Grund für
soziales Elend betrachtete. Seit 1836 betrieb er zudem in der Osnabrücker
Neustadt eine Spinnstube für verarmte Kinder beider Konfessionen, um ihnen
eine Perspektive für den Lebensunterhalt zu eröffnen. Auch seine mit
Lokalkolorit gefärbten Lieder und Dichtungen galten Trunksuch und
Mäßigkeit, wobei seinerzeit weniger Wein und Bier, sondern vor allem der
Schnaps als Wurzel des Übels betrachtet wurde. Der Vortrag zeichnet Leben
und Leistungen des langjährigen Kaplans von St. Johann nach.


h4. 04.05.2011
Rolf Spilker
Die Entwicklung der Neustadt anhand historischen Fotomaterials (19. Jhd.)

Der Osnabrücker Fotograf Rudolf Lichtenberg hat im Auftrag des Stadtbauamtes zwischen 1900 und 1930 zahlreiche Veränderungen im Stadtbild dokumentiert. So existieren Fotografien z. B. von zahlreichen Bauten bevor diese abgerissen und neu errichtet wurden. Daneben finden sich ganze Fotoserien von der Erweiterung Das Bild als Dokument zur Stadtentwicklung. Lichtenbergs Fotografien der Johannisstraße in verschiedener Straßenzüge. Anhand dieser Fotografien soll im Rahmen eines Vortrages versucht werden, Aspekte der Entwicklung eines Straßenzuges anhand der Johannisstraße in Osnabrück aufzuzeigen.

25. 5. 2011
Dr. Hermann Wieh
„Vom Konzil erwarte ich einen frischen Luftzug.“ – Die Entwicklung der Pfarrgemeinde St. Johann nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil

Vor gut 50 Jahren (am 25. Januar 1959) kündigte Papst Johannes XXIII völlig überraschend die Einberufung eines ökumenischen Konzils an, das der Erneuerung der katholischen Kirche „aggiornamento“) dienen sollte. Das Konzil tagte von 1962 – 1966 in vier Sitzungsperioden und verabschiedete 16 Dokumente zu fast allen theologischen und pastoralen Fragen der damaligen Zeit. Es markiert für die Theologie und die Praxis der Kirche eine Zeitenwende.
Ausgehend von vier Konzilstexten können im Blick auf die Pfarrgemeinde St. Johann die Veränderungen im Bereich der Liturgie, der Ökumene, der Mitverantwortung der Laien und der Religionsfreiheit analysiert und veranschaulicht werden.

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